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Bio ist besser für Gesundheit und Umwelt


27.11.02: Bio-Lebensmittel: Bio ist besser für Gesundheit und Umwelt

 

Kaum etwas ist wichtiger für die Gesundheit als gutes Essen.

Doch jeder Lebensmittelskandal schafft neue Unsicherheit: Sind Öko-Produkte wirklich gesünder? Ist tatsächlich Bio drin, wo Bio draufsteht? Wem kann man vertrauen?

"Ellenlang ist die Liste der Stoffe, die in gesunden Lebensmitteln eigentlich nichts zu suchen haben: Pestizide im Gemüse, Antibiotika im Fleisch, Zucker im Kindertee, Aromastoffe im Joghurt und so weiter."

Jede Menge Lebensmittel-Skandale sind durch die Medien gegangen - von BSE-Rindfleisch über Salmonellen-Eier bis hin zum Nitrat-Salat. Das Unbehagen über die konventionelle Landwirtschaft und die Agrarindustrie ist mit jedem Skandal größer geworden. Zugleich wächst die Zahl derer, die gezielt Bio-Lebensmittel einkaufen.

Auch wenn sie teurer sind als das konventionelle Angebot - Bauernhof- und Bioläden haben gute Konjunktur. Es gibt rund 13.000 Öko-Landbaubetriebe in Deutschland und etwa 2.500 Naturkost- und Bio-Läden. Dazu die klassischen Reformhäuser, die ein großes Angebot an Bio-Lebensmitteln führen, und auch Supermärkte, die Bio-Produkte in die Regale genommen haben. Außerdem gibt es fast 1.000 spezialisierte Bio-Bäckereien und -Metzger. Für das im vergangenen Herbst eingeführte Bio-Gütesiegel haben sich in kurzer Zeit schon 10.000 Produkte qualifiziert. Öko-Lebensmittel erzielen einen Umsatz von zwei Milliarden Euro im Jahr. Der Bio-Markt hat so viel Zulauf wie nie zuvor, stellen auch die konventionellen Agrarverbände fest.

"Gesunde Ernährung ist zentral für individuelle Lebensqualität und beste Voraussetzung für Leistungsfähigkeit von Kindesbeinen an bis in das hohe Alter. Wir wollen die steigende Zahl an ernährungsbedingten Krankheiten senken", heißt es im Koalitionsvertrag der rot-grünen Bundesregierung für die kommenden vier Jahre. Die Krankheitskosten durch Fehl-Ernährung werden von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik auf 75 Milliarden Euro im Jahr geschätzt.

Auf 20 Prozent will die Bundesregierung den Anteil der ökologischen Landwirtschaft erhöhen - mehr als fünf mal so viel wie heute. Ein ehrgeiziges Ziel. "Die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen sichere, hochwertige und bezahlbare Lebensmittel. Sie wollen, dass landwirtschaftliche Produktion und Umwelt im Einklang stehen", betonte die zuständige Ministerin Renate Künast.

Die Förderung des ökologischen Landbaus ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Doch auch im Bio-Bereich ist nicht alles Gold was glänzt. Nitrofen im Bio-Getreide hat im vergangenen Frühjahr viele Verbraucher verunsichert. Angebliche Öko-Eier, deren Kennzeichnung gefälscht wurde und die in Wirklichkeit aus konventionellen Legebatterien stammten, haben Misstrauen erzeugt. Lohnt es sich wirklich, Bio-Gemüse und Bio-Obst zu kaufen? Wer garantiert, dass es wirklich Bio ist?

Garantiert Bio?
Zuweilen wird Bio-Landbau auf die einfache Formel gebracht: "keine Spritzmittel". Für Bio-Bauern bedeutet das Arbeiten nach ökologischen Prinzipien jedoch weitaus mehr. Es geht darum, Boden, Pflanzen und Tiere in einen natürlichen Kreislauf zu integrieren. Bio-Bauern verzichten auf leichtlöslichen Mineraldünger, der die Böden auslaugt, und auf giftige Pflanzenschutzmittel. Artgerechte Tierhaltung mit genügend Auslauf, Verzicht auf Tiermehl-Fütterung und Antibiotika sowie die Ablehnung von Genmanipulation gehören ebenfalls dazu. Auf Öko-Höfen soll der Dünger von den eigenen Tieren, das Futter von den eigenen Feldern stammen, auf jeden Fall aus Öko-Anbau.

Billig um jeden Preis kann nicht das Ziel der Bio-Landwirte sein. Seit Jahrzehnten geben die Verbraucher immer weniger für Lebensmittel aus, gemessen am Anteil des privaten Verbrauchs. Der jahrzehntelange Preiskampf im Lebensmittelhandel hat die Produkte billig gemacht - aber auf Kosten der Umwelt, der Bauern und der Gesundheit. "Konventionelle Lebensmittel sind deshalb so billig, weil sie die Folgekosten nicht enthalten", betonte Dr. Karl von Koerber, Experte für Vollwerternährung und Universitätsdozent in München.

Die scheinbar preiswerten Lebensmittel kosten eine Menge Geld, das an anderer Stelle fällig wird: im Gesundheitswesen, bei den Subventionen auf Steuerzahlerkosten oder zum Beispiel in der Rechnung der Wasserwerke, die Rückstände von Nitrat und Pflanzenschutzmitteln aus dem Trinkwasser entfernen müssen. Es sind Kosten in Milliardenhöhe, die aus den Folgen von Lebensmittelskandalen und verfehlter Agrarpolitik entstehen. Dazu zählen längere Krankheitszeiten und hohe Arzneimittelausgaben, weil Krankheitskeime aufgrund des Einsatzes von Antibiotika in der Tierhaltung Resistenzen entwickeln und Nahrungsmittelallergien zunehmen.

"Die Hälfte der Bevölkerung kritisiert, dass Öko-Waren zu teuer sind", stellte die Stiftung Warentest fest. Doch der höhere Preis für Bio-Qualität hat seine Gründe: aufwändigere Herstellung, mehr Handarbeit, Kosten für intensive Kontrollen und auch eine noch zu geringe Nachfrage. Die Erträge im Pflanzenbau sind niedriger, da auf Kunstdünger und synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Weil auch die Tierhaltung weniger intensiv ist, werden weniger Eier, Fleisch und Milch erzeugt und mehr Arbeitszeit aufgewendet.

Die Vorzüge von Bio-Lebensmitteln sind offensichtlich: Sie schmecken besser und sind auch gesundheitlich empfehlenswerter. Bio-Lebensmittel sind - wenn auch an der Ladenkasse etwas teurer - für alle Beteiligten ein Gewinn: für die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen ebenso wie für die Umwelt. Mehr Lebensmittelqualität, so argumentieren die Bio-Befürworter, schafft auch mehr Genuss - kein Vergleich mit den berüchtigten faden Gewächshaus-Tomaten und dem immergrünen Nitrat-Salat.

In den Bauernhof- und Naturkostläden wird auf die biologische Herkunft der Produkte in der Regel großer Wert gelegt. In den Supermärkten ist das Angebot dagegen oft unübersichtlicher. Bei mehreren großen Handelsketten stehen konventionell erzeugte Produkte mittlerweile neben einem breiten Angebot von Bio-Lebensmitteln - teils mit eigenen Markennamen, teils mit dem neuen Bio-Siegel, das bundesweit Mindeststandards garantiert.

Die Kennzeichnungen sind oft verwirrend. Als "kontrolliert biologisch" oder "kontrolliert ökologisch" dürfen, so die Rechtslage, tatsächlich nur eindeutige Bio-Produkte bezeichnet werden. Weniger eindeutig sind laut Verbraucherschützern die Bezeichnungen "aus kontrolliertem Anbau" und "aus integriertem Pflanzenanbau". Und fantasievolle Bezeichnungen wie "aus kontrolliertem Vertragsanbau", "umweltschonend", "unbehandelt " oder "aus natürlichem Anbau" deuten eher auf Werbung als auf echte Bio-Produkte hin. Solche Wortschöpfungen klingen vielleicht nett, garantieren aber keine Bio-Qualität.

Augen auf beim Öko-Kauf, raten Verbraucherschützer. Unseriöse Hersteller nutzen wohlklingende Fantasienamen und kennzeichnen ihre Produkte mit Begriffen, die den Verbrauchern eine ökologische Herkunft vortäuschen. "Mogel-Packungen", nennt das die Zeitschrift "Test".

Das bundesweite Bio-Siegel soll die Orientierung erleichtern, vor allem für die Kunden in den Supermärkten. In Naturkostläden ist es weniger verbreitet, da dort das ganze Sortiment Bio-Qualität haben sollte. Die anerkannten Öko-Anbauverbände (z. B. Demeter, Bioland, Naturland u. a.) haben eigene Markenzeichen. Sie weisen auf besonders strenge Bestimmungen für Anbau und Verarbeitung hin. Diese Verbände kennzeichnen ihre Produkte mit eingetragenen und geschützten Warenzeichen und kontrollieren ihre Vertragsbetriebe konsequent.

Gesundheit
"Kein Gift im Essen" - eigentlich müsste das zu den Grundrechten gehören. Doch ausgerechnet bei den Lebensmitteln ist viel zu häufig Schlamperei oder sogar Profitgier im Spiel, auf Kosten der Gesundheit. Die Zusammenhänge zwischen ungesunder, einseitiger Ernährung und einigen typischen Zivilisationskrankheiten in den Industrieländern der westlichen Welt ist offensichtlich.

Während Fast-Food und Industrie-Lebensmittel ihren Siegeszug rund um den Globus fortsetzen, gibt es aber auch hoffnungsvolle Zeichen. Die politischen Signale für eine Agrarwende und eine größere Verbrauchermacht gehören dazu. Mehr Gesundheitsbewusstsein ebenfalls. Wer auf Gesundheitsvorsorge Wert legt, achtet auch stärker auf die Qualität der Ernährung. Gerade im Bereich der Naturheilverfahren ist ein umfassenderes Verständnis für den Zusammenhang von Nahrung und Gesundheit vorhanden. Das gilt für die hiesige Naturheilkunde ebenso wie für fernöstliche Medizin, wo die Ernährungslehre - wie etwa in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und in der indischen Volksmedizin Ayurveda - erklärtermaßen zu den Empfehlungen für ein gesundes Leben gehört.

Anerkannte Bio-Hersteller:
Dazu zählen zum Beispiel Demeter, Gäa, Bioland, Biopark, Biokreis, Ecovin und Naturland. Sie haben im Sommer 2002 zusammen mit Verarbeitungs- und Handelsbetrieben den "Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft" (BÖLW) gegründet. Sie achten auch darauf, dass Bio-Lebensmittel nicht mit Gentechnik-Produkten vermischt werden.

Quelle: SECURVITAL 6-2002

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