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14.01.08: HPV-Impfung für Mädchen: Umstrittener Schutz gegen Krebs?

 

Seit einigen Monaten wird jungen Mädchen und Frauen eine sogenannte HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs empfohlen. Sie ist jedoch heftig umstritten.

Auf den ersten Blick kling es wie eine medizinische Sensation, die der Pharma-Hersteller verkündet: „Seit kurzem besteht die Chance, Gebärmutterhalskrebs durch eine Impfung vorzubeugen.“ Ein neuer Impfstoff von Sanofi Pasteur MSD soll angeblich vor dem Krebs schützen, der als „zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren in Europa“ gelte.

Doch die Botschaft trügt. Die Werbekampagne des Unternehmens wird als Panikmache und Desinformation kritisiert. Die Wirksamkeit des Impfstoffs wird von Fachleuten angezweifelt. Auch die Art und Weise, wie die offizielle Impfkommission sich für die Impfung stark machte, erscheint mittlerweile in einem dubiosen Licht.

Zahlreiche Gesundheitsorganisationen und Ärzteverbände haben jetzt dazu aufgerufen, diese „Impfung gegen Krebs“ kritisch zu untersuchen. Diese plakative Aussage in der Pharma-Werbung sei „irreführend und entspricht nicht der Wahrheit“, erklärte der Bundesverband der Frauengesundheitszentren. Die Berufsverbände homöopathischer und anthroposophischer Ärzte schlossen sich dieser Kritik an, ebenso Jugend- und Frauenberatungsstellen und Patientenschutzorganisationen. Die Empfehlung, alle Mädchen ab dem 13. Lebensjahr vorbeugend zu impfen, stelle sogar eine reale Gefahr dar, weil sie falsche Sicherheiten verspreche. Sie trage dazu bei, die tatsächlich wirksamen Früherkennungsuntersuchungen zu vernachlässigen.

Tatsache ist, dass der Impfstoff Gardasil von Sanofi Pasteur MSD erst spät die Arzneimittelzulassung erhielt. Er soll präventiv wirken gegen mehrere Typen der Humanen Papilloma-Viren (HPV), die im Verdacht stehen, in späteren Jahren Gebärmutterhalskrebs auszulösen. Die offizielle „Ständige Impfkommission“ hat im Frühjahr 2007 die HPV-Impfung als allgemeine Krankenkassenleistung eingestuft – trotz wissenschaftlicher Zweifel.

„Vorsicht: Desinformation“, warnte die Fachzeitschrift „Arznei-Telegramm“. „Die Zulassung des Impfstoffs erfolgte auf schmaler Wissensbasis“, teilte der renommierte Pharmazeut Wolfgang Becker-Brüser in einem pharma-unabhängigen Verbrauchermagazin mit. „Als Gardasil auf den Markt kam, waren die entscheidenden Untersuchungen zur Wirksamkeit noch nicht einmal abgeschlossen.“ Es gebe keine Belege, so die Kritiker, dass die Impfung die Rate an Gebärmutterhalskrebs wirklich senken könne.  

„Von einem Durchbruch in der Krebsprävention zu sprechen ist maßlos übertrieben", kritisiert Rolf Rosenbrock Forschungsleiter am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung. Gebärmutterhalstumore seien dank Früherkennung hierzulande im Gegensatz zur Dritten Welt „sehr selten". Diese Krebsfälle könnten genauso mit einem Früherkennungssystem minimiert werden

Gelohnt hat es sich die Kampagne aber offensichtlich für die Pharma-Hersteller. Der Verkauf des Impfstoffs ging rapide in die Höhe. Innerhalb weniger Monate setzte sich Gardasil an die Spitze der umsatzstärksten Arzneimittel in Deutschland. Der Impfstoff ist mit 465 Euro pro Impfperson einer der Teuersten überhaupt – kein Wunder, denn es gab zunächst keine Konkurrenz. Erst seit einigen Wochen ist ein zweiter HPV-Impfstoff (Cervarix von GlaxoSmithKline) auf den Markt gekommen. Er wird merkwürdigerweise auf den Cent genau zum exakt gleich hohen Preis verkauft.

Einen weiteren bitteren Beigeschmack dieses Pharma-Falls hat die „Tageszeitung“ (taz) aufgedeckt. Der Vorsitzende der offiziellen Impfkommission, die die HPV-Impfung vorangetrieben hat, ließ sich kurz zuvor mit einem Preis „für besonderes Engagement zur Förderung des Impfgedankens“ auszeichnen - dotiert mit 10.000 Euro, gestiftet von Sanofi Pasteur, dem Hersteller des HPV-Impfstoffs Gardasil. Mittlerweile hat er den Vorsitz der Impfkommission niedergelegt. Er arbeitet jetzt für ein anderes Unternehmen der verschachtelten Pharma-Branche: Novartis.

Vollständiger Artikel in der SECURVITAL 1-2008

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