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Ökotest und Novartis


15.07.06: Nebenwirkungen: Wie Öko-Test und Novartis mit der Öffentlichkeit umgehen



Nebenwirkungen von Arzneimitteln sind ein äußerst heikles Thema. Pharmahersteller müssen sie korrekt auf den Beipackzetteln deklarieren.

Gesundheitsbehörden achten peinlich genau darauf, ob Risiken bestehen und genannt werden. Ärzte und Apotheken wissen, dass die Gesundheit ihrer Patienten davon abhängen kann. Werden sie verheimlicht oder zu spät erkannt, kann es – wie die Skandale um Lipobay, Vioxx und andere gezeigt haben - zu Todesfällen und Milliarden-Klagen führen.

Auch die Medien haben eine große Verantwortung, wenn es um Medikamenten-Informationen geht. Hier ist eine hohe journalistische Sorgfalt erforderlich. Das gilt ganz besonders für Tests und Berichte in Verbrauchermagazinen, von denen man glaubt, dass man sich auf sie verlassen kann.

Um so merkwürdiger ist nun das Verhalten des Pharma-Herstellers Novartis, dessen Neurodermitis-Creme „Elidel“ in den Verdacht geraten ist, potentiell krebsgefährlich zu sein, und des Verbrauchermagazins „Öko-Test“, das dieses Produkt in einem Sonderheft mit „sehr gut“ bewertete und dazu schrieb, es gebe trotz des Krebsrisikos „nur geringe Nebenwirkungen“.

Im März 2006 deckte SECURVITA auf (Nr. 2-2006, Seite 30: „Vorsicht vor Neurodermitis-Cremes“), dass die Cremes Elidel, Douglan, Protopic unter Verdacht geraten sind, Krebs auslösen zu können. Reaktion von Novartis, dem Hersteller von Elidel: Das Pharmaunternehmen wollte die Tatsachenbehauptungen der SECURVITA verbieten.

Peinlich für Novartis: Sie zogen die Drohung kleinlaut zurück, als SECURVITA sich nicht beugte und mit amtlichen Unterlagen beweisen konnte, dass der Krebsverdacht aktenkundig ist. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte einen offiziellen Warnhinweis gegeben, weil Tierversuche und Patientenberichte auf den Krebsverdacht bei diesen Cremes hinwiesen.

Peinlich für Öko-Test: Um das Herunterspielen des Krebsverdachts nachträglich zu rechtfertigen, nachdem mittlerweile auch die europäische Arzneimittelbehörde EMEA Warnhinweise gegeben hat, suchte Öko-Test nach Argumenten und wurde fündig - ausgerechnet auf der Internetseite von Novartis. Als Beleg dafür, dass die Gesundheitsgefährdung nicht so schlimm sei, legte das Verbrauchermagazin in der Auseinandersetzung mit SECURVITA tatsächlich einen Ausdruck von der Novartis-Website vor .

Noch fragwürdiger ist, was sich auf der Öko-Test-Website abspielt: Dort sind immer noch Selbstrechtfertigungen zu finden, obwohl Öko-Test-Geschäftsführer Jürgen Stellpflug mittlerweile einen eklatanten Fehler zugegeben hat. Dort wird das Heft ungeachtet des Verstoßes gegen die journalistische Sorgfaltspflicht immer noch verkauft. Und dort findet man direkt neben dem betreffenden Neurodermitis-Bericht ausgerechnet einen Google-Anzeigenlink für eine Internetseite von Novartis mit heiklem Inhalt: Der Pharma-Hersteller, so erfährt man, sucht über diese Internetseite kranke Kinder für klinische Studien zur Anwendung der Creme Elidel. Die Gesundheitsbehörden haben die Hersteller in Verbindung mit den Krebsrisiko-Warnungen aufgefordert, fehlende Daten zur Langzeitsicherheit zu erheben. Wie will Öko-Test diese Anzeigenkooperation mit Google rechtfertigen, wenn die klinischen Studien an Kindern den Krebsverdacht erhärten? 

Als Dokumentation zu diesem Thema finden Sie hier den Artikel in der SECURVITAL (Ausgabe 4-2006) sowie die Informationen über die Krebsgefahr der erwähnten Neurodermitis-Cremes (SECURVITAL 2-2006).  Das Frankfurter Verbrauchermagazin Ökotest ist nicht zum ersten Mal in die öffentliche Kritik geraten. 

 
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