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08.03.05: Umweltschutz in der Praxis - Recycling und holzfreies Papier
Kann eine Krankenkasse zum Umweltschutz beitragen? Selbstverständlich! Beim Papier fängt es an.
Schon immer setzt sich SECURVITA aktiv dafür ein, Ressourcen zu sparen. Dafür hat der Hamburger Senat die SECURVITA jetzt ausgezeichnet.
Die Papierberge wachsen von Jahr zu Jahr. 1950 hat jeder Bundesbürger im Durchschnitt 32 Kilo Papier verbraucht. 1980 waren es schon 157 Kilo, heute liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei rund 240 Kilo. 50 % davon sind Druck- und Pressepapiere, 40 % Kartons und Verpackungen, der Rest Hygiene-, Foto- und andere Spezialpapiere.
Der Papier-Experte Jupp Trauth vom "Forum Ökologie und Papier" hat ausgerechnet, welche Ressourcen dafür verbraucht werden: Für 1 Kilo frisches, weißes Papier benötigt man 2,2 Kilogramm Holz, 5 Kilowattstunden Energie und 30 bis 100 Liter Wasser. Dazu kommen noch beträchtliche Mengen Chemikalien im Abwasser.
Lokal handeln
Wer Papier spart, ob zu Hause oder im Büro, kann sich also leicht ausrechnen, welche Umweltbelastung damit vermieden wird. "Lokal handeln, global denken" - dieses Motto von Umweltschützern trifft für den Papierverbrauch unmittelbar zu. Holz und Zellulose für die Papierherstellung stammen nach Angaben der Umweltorganisationen Greenpeace und Robin Wood zum Großteil aus Skandinavien, Russland, Kanada und zum Teil sogar aus den tropischen Urwäldern.
Das Umweltbundesamt (UBA) in Berlin kam in einer Ökobilanz zu dem Ergebnis, dass auch der Umstieg von weißem "holzfreiem" Papier auf Recyclingpapier große Umweltvorteile bringt. Recyclingpapier spart viel Holz und benötigt nur halb so viel Rohstoff, ein Drittel Energie und ein Sechstel des Wasserverbrauchs im Vergleich zum herkömmlichen weißen Papier.
UBA-Präsident Prof. Andreas Troge zieht daraus einen klaren Schluss: "Wer Recyclingpapier benutzt, tut Gutes für die Umwelt". Das gilt nicht nur für den privaten Gebrauch, sondern auch für Behörden und Betriebe. Gerade dort, wo besonders viel Papier verbraucht wird, gilt die Empfehlung des UBA: "In Büros und Verwaltungen sollte für den Bürobedarf und zum Schreiben, Drucken, Kopieren und Faxen Papier benutzt werden, das zu 100 % aus Altpapier besteht".
SECURVITA hat diese Erkenntnisse beherzigt und schon vor Jahren damit begonnen, nach Möglichkeit Papier zu sparen und konsequent auf Umweltpapier umzustellen. Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Während früher manche Drucker und Faxgeräte bei Umweltbriefpapier streikten, gibt es heute mit dem 100-%-Recyclingpapier keine technischen Probleme mehr. Außerdem können immer mehr Briefe und Akten dank Internet, Mail und Datenspeicherung eingespart werden.
Druckerei mit Gütesiegel
Die Liste der Umweltschutzmaßnahmen ist lang: Wir verzichten auf Hochglanzpublikationen und aufwändige Broschüren. Die SECURVITAL wird auf Recyclingpapier von Steinbeis-Temming gedruckt, das von Umweltschützern empfohlen wird und zu 100 % aus Altpapier hergestellt ist. Gedruckt wird die SECURVITAL von der Brühlschen Universitätsdruckerei, die als erste Druckerei in Deutschland das FSC-Gütesiegel für umweltfreundliche Herstellung erhalten hat.
"Wir achten bewusst auf die ökologischen Auswirkungen. Für uns gehören Gesundheit und Umweltschutz eng zusammen", betont Birgit Radow, Vorstandssprecherin der SECURVITA Krankenkasse. "Wir wollen nicht nur über Umweltschutz reden, sondern in praktischen Bereichen zeigen, was man alles machen kann - auch beim Einsparen von Energie, bei der Verwendung umweltfreundlicher Baustoffe und nicht zuletzt bei den Treibhausgasen. Deshalb haben wir nicht einen einzigen Dienstwagen und unterstützen alle Mitarbeiter, die Bus und Bahn benutzen statt mit dem Auto zur Arbeit kommen."
Das Umweltschutzpotential ist damit noch nicht ausgeschöpft. Es gibt noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten, um die wir uns aktiv bemühen. Das Engagement der SECURVITA findet nun auch immer mehr öffentliche Anerkennung. Als erstes Unternehmen aus dem Bereich der Krankenkassen und Versicherungen ist SECURVITA im Februar vom Hamburger Senat im Rahmen der "UmweltPartnerschaft" ausgezeichnet worden. Andere Krankenkassen werden hoffentlich folgen, denn gerade bei den großen Bürobetrieben gibt es erhebliche Einsparpotentiale zugunsten der Umwelt. Empfehlungen dafür hat die Hamburger Umweltbehörde in Form von Leitlinien für "umweltfreundliche Beschaffung" vorgelegt.
Auszeichnung für aktiven Umweltschutz
SECURVITA wurde als erstes Unternehmen aus dem Bereich der Krankenkassen und Ver-sicherungen vom Hamburger Senat als Umweltpartner ausgezeichnet. Umweltsenator Dr. Michael Freytag sagte bei der Urkunden-Übergabe an SECURVITA-Vorstandssprecherin Birgit Radow: "SECURVITA ist das erste Unternehmen, dem ich die Urkunde als Umweltpartner für umweltfreundliche Beschaffung überreichen kann. Die gesamte Korrespondenz wird bei Ihnen mit Recyclingpapier abgewickelt. Das Kundenmagazin und sämtliche Werbematerialien werden auf Recyclingpapier gedruckt. Ein großer Teil Ihrer Bürogeräte besitzt den Blauen Engel oder erfüllt dessen Kriterien. Auf einen eigenen Fuhrpark verzichten Sie und darüber hinaus haben Sie mit Ihrem Personalrat eine Dienstvereinbarung zur Nutzung des ÖPNV geschlossen. Schließlich haben Sie beim Umbau Ihrer Büroräume ein besonderes Augenmerk auf die Verwendung umweltfreundlicher Baustoffe gelegt."
So manches Vorurteil gegen Recyclingpapier allerdings ist zählebig. Umweltpapier staubt, so heißt es immer wieder, und verstopft Drucker und Faxgeräte. Das stimmt längst nicht mehr. Das Unternehmen Xerox hat nach Angaben der Initiative "Pro Recyclingpapier" in einem Belastungstest verschiedene Papiersorten auf Herz und Nieren geprüft und ist zum Ergebnis gekommen, dass Recyclingpapier mit dem "Blauen Engel" keine Nachteile hat im Vergleich zum weißen Papier. Wartung und Lebensdauer der Geräte änderten sich nicht - eine wichtige Bestätigung dafür, dass der Einsatz von Recyclingpapier keinen Einfluss auf Wartungs- und Leasingverträge für Bürogeräte hat.
Je weißer, desto mehr Chemie
Auch das Vorurteil "Umweltpapier vergilbt und sieht billig aus" gilt längst nicht mehr. Die Qualität der Recyclingpapiere ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Auch Recyclingpapier gibt es mittlerweile in verschiedenen Stufen von grau bis weiß. Bei hochwertigem Papier erkennen nur Fachleute auf den ersten Blick, ob es sich um weißes Umweltpapier oder um weißes Frischfaser-Papier handelt. Allerdings: je weißer das Papier, desto mehr Energie und Chemie muss dafür eingesetzt werden. Das gilt auch für Umweltpapier. Ein leichter Grauton schont die Umwelt.
"Die Erkenntnisse lassen sich auf eine einfache Formel bringen", urteilte Jupp Trauth in der Publikation "Kritischer Papierbericht 2004", gefördert durch das Umweltbundesamt: "Der Papierverbrauch in Deutschland ist zu hoch, weltweit gesehen ist der Papierverbrauch zu ungleich verteilt (Deutschland verbraucht so viel wie ganz Afrika und Südamerika zusammen) und unser Papier ist zu weiß."
Norbert Schnorbach, SECURVITAL 2-2005



