Gesundheitswesen
Geburtshilfe
 

Warum die neue Vergütung freiberuflicher Hebammen für Unmut sorgt

Lange haben die Hebammenverbände mit dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um eine dringend überfällige Honoraranpassung gerungen. Doch nun könnte das Ergebnis die Geburtshilfe in einigen Teilen Deutschlands sogar gefährden.

Viele Freiberuflerinnen bangen um ihre Existenz

Seit 2017 sind die Honorare für freiberufliche Hebammen unverändert geblieben, während die Kosten stark gestiegen sind – allein die vorgeschriebene Berufshaftpflicht erhöhte sich von 7.500 auf 13.300 Euro pro Jahr. Drei Jahre lang verhandelten der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die Hebammenverbände über eine neue Vergütung, jedoch ohne Ergebnis. Schließlich musste im April die Schiedsstelle entscheiden.

Was der neue Hebammenhilfevertrag vorsieht

Der neue Vertrag bringt zwar Verbesserungen für freiberufliche Hebammen, die Haugeburten betreuen oder in Geburtshäusern tätig sind, sorgt aber bei freiberuflichen Beleghebammen in Kliniken für große Sorge.

Hintergrund ist, dass der Stundensatz für die Geburtsbetreuung für freiberufliche Hebammen ab dem 1. November von 56 auf 74 Euro steigt. Beleghebammen in Kliniken sollen jedoch nur 80 Prozent dieses Stundensatzes erhalten. Ein Bonus von ca. 104 Euro wird nur dann gezahlt, wenn eine 1:1-Betreuung durch dieselbe Hebamme erfolgt. Betreut eine Hebamme zwei oder drei Frauen gleichzeitig, erhält sie für die weiteren Geburten nur 30 Prozent des Stundensatzes – bei voller Verantwortung für jede der Gebärenden.

Kritik aus der Praxis: „Das geht an der Realität vorbei“

Viele Hebammen sehen ihre Arbeit im Klinikalltag durch das neue Modell massiv entwertet. „Geburten sind nicht planbar und weder Wartezeiten im Kreißsaal noch Rufbereitschaften werden vergütet“, erklärt Maria Preßentin vom Hebammenkontor Altona. Ihr Team betreut teils fünf, manchmal 15 Geburten innerhalb von 24 Stunden.

Besonders problematisch: Der Bonus für eine 1:1-Betreuung entfällt, wenn eine Geburt infolge eines Schichtwechsels von zwei Hebammen begleitet wird – selbst wenn insgesamt eine lückenlose 1:1-Betreuung erfolgt.

Einkommensverluste bis zu 35 Prozent befürchtet

Neben den Einschränkungen beim Stundensatz fällt künftig auch die Vergütung für organisatorische Tätigkeiten, Weiterbildungen und weitere Leistungen weg, die bisher bezahlt wurden. Der Deutsche Hebammen-Verband warnt deshalb vor Einkommenseinbußen von bis zu 35 Prozent für Beleghebammen. Die mögliche Folge: Viele Beleghebammen könnten sich dann aus der eigentlichen Geburtshilfe zurückziehen und nur noch Vor- und Nachsorge anbieten.

Erste Kündigungen und große Sorgen

Im Team des Hebammenkontors in Hamburg-Altona haben bereits erste Kolleginnen gekündigt. Auch Maria Preßentin fürchtet, dass die neue Vergütungsstruktur sich auf ihren Alltag auswirken wird: „Es wird immer auf unsere Kosten gehen, wenn wir unsere Arbeit gut machen.“

Gefahr für die Geburtshilfe in Deutschland

Während festangestellte Hebammen von den Änderungen nicht betroffen sind, drohen viele freiberufliche Beleghebammen ihre Arbeit in Kliniken aufzugeben. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte ein wichtiger Teil der Geburtshilfe in Deutschland wegbrechen – mit direkten Folgen für werdende Mütter und Familien. In manchen Bundesländern werden bis zu 80 Prozent der Geburten von Beleghebammen betreut.

Die SECURVITA Krankenkasse fördert die Dienste von Hebammen, indem sie Familien herausragende Hebammenleistungen bietet. Dazu gehören Zuschüsse zur Rufbereitschaft und für individuelle Beratungen zu Themen wie Stillen, Schlafen und Ernährung des Babys sowie die Möglichkeit einer digitalen Hebammenberatung.

Weitere Informationen zu den Leistungen für Familien finden Sie hier.

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